HARAKIRI FOR THE SKY

Sänger J.J. im Frage-Antwort-Spiel

Ihr bringt am 16.02.2018 eurer neues Album „Arson“ heraus … beschreibst du den Fans, was sie erwarten dürfen?

 J.J.:  Im Großen und Ganzen ist „Arson“ einfach die logische Fortsetzung unserer letzten beiden Alben. Wir haben nichts anders gemacht außer vermutlich etwas mehr Black Metal fremde Einflüsse anderer Genres wie etwa Post Punk oder Shoegaze zugelassen. Natürlich sind aber auch klassische Strukturen vorhanden.

Der Promo-Version der CD lagen keine Lyrics bei. Kannst du bitte kurz erklären, worum sich die Texte dieses Mal drehen?

J.J.:  Im Vergleich zu „III: Trauma“ hat „Arson“ kein durchgängiges Konzept und jeder Song steht somit für sich. Lyrische Themen sind in erster Linie Entfremdung, Abschied, Depression, Drogenmissbrauch, Nihilismus oder auch das Leben im Allgemeinen, wie man’s nimmt. Aber ich denke, das fasst die Themen gut zusammen.

Seit der Veröffentlichung von „III: Trauma“ sind gerade einmal eineinhalb Jahre vergangen – es scheint, als ob ihr über ein Riesenpotential an Kreativität verfügt. Wie funktioniert bei euch das Songwriting?

J.J.:  Zuerst schreibt M.S. die Musik. Er macht das, wann immer er Zeit und Muse dafür hat, was aber meistens spät nachts der Fall ist und oft nicht ganz nüchtern von statten geht. Mit meinen Texten läuft das ähnlich. Ich greife dabei aber auch oft auf Notizen zurück, da man ja eigentlich die ganze Zeit Ideen und gute Einfälle mitschreibt,  um selbige nicht zu vergessen.

Sind eure Lyrics fiktiv? Oder handelt es sich um die Aufarbeitung von Erlebnissen? Wenn ja, wirkt das Schreiben darüber befreiend? Ich hätte allerdings Angst, dass jedes Konzert die alten Wunden neu aufreißt, denn das Singen der Lyrics erinnert erneut an das Erlebte.

Die Texte sind autobiografisch, wenn auch wie bei Gedichten üblich etwas durch Metaphern ausgeschmückt. Und ja, das Schreiben darüber ist schon so was wie ein Befreiungsschlag, wenn auch nur ein kleiner. Das mit den Wunden ist so eine Sache. Viele davon sind schon vernarbt und reißen somit nicht mehr auf. Manche Texte wie etwa die von unserem letzten Album, die den Freitod eines meiner ältesten und besten Freundes behandeln, stoßen mir aber schon immer mal wieder sauer auf, da sie einen ständig in die damalige Situation der Ohnmacht zurückversetzen.

Eure Musik wird als Mischung aus Black Metal und Post Rock umschrieben. Kommt diese Definition von euch oder wurde dies vom Label bzw. von den Medien kreiert? Seid ihr zufrieden mit dieser Beschreibung oder ist das für euch nicht von Belang?

J.J.:  Ich denke, das ist einfach die Definition, die unsere Musik am besten beschreibt, deswegen ist diese Beschreibung schon passend.

Wenn du bei Liveshows so ins Publikum blickst … hast du den Eindruck, dass ihr eher jüngeres Publikum ansprecht oder sind alle Altersklassen unter den Besuchern vertreten?

J.J.:  Durchschnittlich sind unsere Fans wohl so Anfang/Mitte 20, also eher in unserem Alter. Natürlich sind aber auch einige ältere und jüngere Leute vertreten.

HARAKIRI FOR THE SKY Mitglieder sind ja auch in anderen bekannten Projekten mit am Start. Ist es da phasenweise nicht schwierig, die Liveaktivitäten der verschiedenen Bands unter einen Hut zu bringen bzw. zu koordinieren?

J.J.:  Es ist generell immer schwierig eine Band mit dem eigenen Privatleben, der Uni, der Arbeit, der Freundin oder eben anderen Projekten zu koordinieren. Das läuft mal besser und mal schlechter. Mittlerweile haben wir für solche Belange einen Kalender, in den man wichtige Termine einträgt, was eigentlich gut funktioniert. Ich persönlich habe aber unter anderem wegen HARAKIRI FOR THE SKY außer meinem Studioprojekt KARG keine anderen Bands mehr am Start, da ich zwischendurch gerne mal wieder meine Ruhe habe. Ich bin auch privat genug in der Weltgeschichte unterwegs. Auf mehr habe ich keine Lust.

Gibt es Bands, die einen großen Einfluss auf euch ausüben? Oder könnt ihr das eigene Songwriting von der Musik, die ihr privat hört, komplett trennen? Ich stelle mir das eher schwierig vor, sich da ganz abzuschotten.

J.J.:  Ja, man kann das definitiv trennen, da man musikalische Einflüsse eher unterbewusst übernimmt und im Endeffekt natürlich keine Ideen klaut. Am Anfang haben wir uns jedoch sicherlich an einer bestimmten Strömung bzw. Richtung orientiert. Wir kommen beide aus dem Black Metal. Und trotz der genrefremden Einflüsse wird die Musik von HARAKIRI FOR THE SKY immer überwiegend auch in diesem Bereich verwurzelt sein. Wir orientieren uns dabei aber nicht wirklich an der Ausrichtung anderer Bands dieser Tage.

In unserer digitalen, von sozialen Medien bestimmten Welt gibt es nur noch wenige Bands, die z.B. Facebook entsagen. Hat für HARAKIRI FOR THE SKY Facebook bzw. haben andere soziale Medien eine Auswirkung auf den Banderfolg? Nehmt ihre solche Medien wichtig oder ist es für euch immer noch das Beste, direkt mit den Fans zu kommunizieren, soweit das halt möglich ist.

J.J.:  Ich persönlich stehe nicht wahnsinnig auf Smalltalk, weshalb mir soziale Medien da schon lieber sind. Der Rest der Band sieht das jedoch etwas lockerer. Soziale Medien sind aber nicht unbedingt deshalb von Nöten, um sich mit den Fans zu unterhalten, sondern eher um sich mit Konzertveranstaltern oder anderen Bands kurz zu schließen. Und natürlich machen Apps wie Facebook es um einiges einfacher, der Band eine Plattform zu bieten und sie bekannter zu machen.

Welche Länder stehen bei euch ganz oben auf „Shows to do“ Liste? Gibt es Pläne für Überseekonzerte oder ist das außerhalb der finanziellen Möglichkeiten?

J.J.:  Ich wäre tatsächlich sehr an Überseekonzerten interessiert. Bislang ist in dieser Richtung aber leider noch nichts in Planung. In Amerika scheitern leider viele Auftritte von europäischen Bands oftmals am bürokratischen Aufwand. Aber ich hoffe, dass sich das trotzdem eines Tages verwirklichen lässt.

Eine privat angehauchte Frage: Ist euch möglich, von der Musik zu (über)leben oder geht ihr auch einem Nullachtfünfzehn-Arbeitsleben nach?

J.J.:  Ganz funktioniert das leider nicht, man kann es eher zusätzliches Taschengeld nennen. Ich für meinen Teil arbeite nebenbei als Musikjournalist und mache meinen Master in Sozialwissenschaften. Auch brotlos, aber zumindest interessant.

Wie schauen die kommenden Monate aus? Es wird eine Tour mit DOOL geben, die euch durch Teile Europas führen wird … ich denke, dass diese Kombination DOOL / HARAKIRI FOR THE SKY für beide Bands neue Fans anziehen wird. Siehst du das auch so?

J.J.:  Wir spielen bis Ende März etwa 40 Konzerte, unter anderem eben auch die Tour mit DOOL. Und selbst wenn DOOL jetzt nicht meine Lieblingsband ist, finde ich genreübergreifende Tourneen und Konzerte schon cool, da es auf jeden Fall besser ist als Einheitsbrei. Und ja, ich denke dass diese Tour sowohl uns als auch DOOL viele neue Fans bescheren wird.

Was dürfen wir von der Release Show am 10.02.2018 in der Szene Wien erwarten? Ich nehme an, der Fokus wird auf der Präsentation von „Arson“ liegen. Dürfen wir aber auch auf Songs wie „This Life Is A Dagger“ in der Setlist hoffen?

J.J.:  Wir werden jede Menge Songs vom neuen Album spielen. Insgesamt wird unsere Show aber 90 Minuten betragen und deshalb natürlich auch alte Songs beinhalten. Ob „This Life Is A Dagger“ dabei sind wird, kann ich an diesem Punkt noch nicht sagen, ich hoffe es jedoch, da es einer meiner Lieblingssongs von HARAKIRI FOR THE SKY ist.

Vielen Dank für das ausführliche Interview und wir sehen uns im Februar in der Szene Wien!