FATE V / Ghosts From The Past / If Not For The Devil

Frontiers Music s. r. l. / Soulfood

Neuauflagen als Einstimmung auf ein neues Album

Ursprünglich wurden FATE von Hank Shermann Mitte der 80er Jahre gegründet, um nach der ersten Auflösung von MERCYFUL FATE mit massentauglicherem Material durchzustarten. Sein Ausstieg wäre aber wohl auch erfolgt, hätten seine Kollegen nicht ebenfalls hingeschmissen. Schließlich konnte er sich mit dem Image der Formation damals nur schwer anfreunden.

Überraschenderweise konnte sich das neue Unternehmen aber recht schnell in der Szene etablieren. Das 1985 veröffentlichte, selbstbetitelte Erstlingsalbum sowie das im Jahr darauf folgende „A Matter Of Attitude“ hatten nicht nur mit dem okkulten, düsteren Heavy Metal seiner früheren Band nichts am Hut, sondern waren viel mehr von jenen Sounds geprägt, die damals schwer angesagt waren. Auch die Outfits von Hank und seiner Mannschaft und die Gestaltung der Artwork machten deutlich, dass sich der Bandchef von seiner Vergangenheit emanzipiert hatte.

Das nahende Ende des für melodiösen Hard Rock goldenen Zeitalters machte aber auch vor FATE nicht halt. Nicht zuletzt deshalb versuchte die Truppe nach dem Ausstieg des in späterer Folge mehrfach zu seinen früheren Kollegen zurückgekehrten, und bis heute an der Seite von King Diamond in die sechs Saiten langende Haudegen, weiterhin Alben zu veröffentlichen, die sich absetzen lassen würden.

„Cruisin' For A Bruisin“, das 1988 aufgelegte dritte Album gilt heutzutage zwar eher als verzichtbarer Versuch einer, sich mit Gedeih und Verderb dem US-Markt, genauer gesagt jenen Radiosendern in Übersee, die damals auch jene Art von Rockmusik spezialisiert waren, ausgeliefert zu haben. Die Gitarre des nicht mehr an Bord befindlichen Bandgründers wurde nahezu vollends von weichgespülten Kuschelklängen substituiert, weshalb bald darauf auch Sänger Jeff Limbo FATE den Rücken zukehren sollte.

Ehe die allseits bekannte Szeneveränderung auch die europäische Rockmusik in ihren Grundfesten erschütterte, versuchte FATE anno 1990 mit „Scratch'n Sniff“ zumindest noch einigermaßen dagegenzuhalten. Allerdings hatte das runderneuerte Line-Up, im dem sich mit Bassist und Keyboarder Peter Steincke nur noch ein einziges Mitglied der Gründungsbesetzung befand, bereits eine gehörige Stiländerung vorgenommen.

An sich ein in der Tat lässiges Album, das jedoch zum falschen Zeitpunkt erschien. Anno 1990 war die Zeit nämlich nicht (mehr, oder gerne auch noch nicht, je nach persönlicher Meinung) reif für lässig aus den Boxen döhnenden, melodiösen Hard und Heavy Rock, den der schwedische Ausnahmegitarrist Mattias „IA“ Eklundh in den Bandsound einbrachte.

So kam es, dass FATE 1993 einen Schlussstrich zog, und sich die Musiker der letzten Besetzung mehr oder weniger unbemerkt in alle Himmelsrichtungen verteilten. FATE schien damit nach vier Drehern sowie diversen Tourneen, unter anderem zusammen mit den Landsleuten von PRETTY MAIDS, wie so viele andere Bands auch, dem Zeitgeist zum Opfer gefallen zu sein.

In Vergessenheit geriet die Truppe jedoch niemals, weshalb es 2004 zur Wiederaufnahme des Bandbetriebs kam. Auf einen umjubelten Reuniongig in München, zu dessen Organisation wohl auch die Verantwortlichen des seinerzeit sehr umtriebigen Labels MTM Music ein gehöriges Scherflein beigetragen hatten, folgten zunächst bei der erwähnten Plattenfirma Neuauflagen von „A Matter Of Attitude“ und „Scratch’n Sniff“. Dem nicht genug, zeigte sich die von Pete Steiner (wie sich Steincke damals nannte) geführte Band (der neben Pete Soren Hoff an der Gitarre, Micke Kvist am Schlagzzeug und Sänger Per Johansson, der in jener Zeit noch als Per Henrikson von sich reden machte, angehörten) dermaßen motiviert, dass sie keine zwei Jahre nach dem erwähnten Konzert, mit „V“ sogar wieder frisches Hörfutter lieferte.

Die Resonanz auf das Album war ordentlich, wobei retrospektiv hinzugefügt werden muss, dass jene Inkarnation von FATE auch nicht sonderlich viel mit der ursprünglichen Version der Band gemeinsam hatte. Erhöhte Mehranteil von Groove, aber auch der etwas rauere Gesang haben das dänische Melodiegeschwader deutlich zeitgemäßer klingen lassen als zu Beginn der Karriere.

Auch diese Veröffentlichung motivierte das Ensemble gehörig, ein stabiles Line-Up war aber dennoch schwierig zusammenzustellen. Aufgegeben hat Pete aber dennoch nicht. Im Gegenteil, 2011 lies die Truppe „Ghosts From The Past“ folgen, das über AOR Heaven in die Läden kam, zunächst jedoch fälschlicherweise für eine Compilation gehalten wurde. Da die Scheibe, wie auch das zwei Jahre danach veröffentlichte „If Not For The Devil“ zudem auch nicht unbedingt großartig beworben worden sind, galten FATE selbst in an sich durchaus gut informierten Kreisen, bis vor kurzer Zeit als mehr oder weniger historischer Act.

Schade, denn die Herren hatten auch auf diesen Veröffentlichungen einiges zu bieten. Seit dem Einsteig von Torben Enevoldsen (u.a. Ex-FATAL FORCE und SECTION A), der seit 2011 bei FATE die Gitarre bedient, wurde das Klangbild etwas komplexere und auch progressivere Elemente erweitert. In dieses fügte sich auch der von den Färöer Inseln stammende Vokalist Dagfinn Joensen gut ein. Der heutzutage nur noch als Mitglied diverser Tributbands tätige Sänger konnte auf den beiden Scheibletten durchaus überzeugen, und vermochte mit seiner ausdrucksstarken Stimme auch Akzente zu setzen. Vor allem „If Not For The Devil“ enthält einige wirklich lässige Songs, die es jetzt dankenswerter Weise erneut zu entdecken gibt.

Frontiers Music hat sich nämlich dazu entschlossen, die letzten drei FATE-Alben neu aufzulegen und zudem auch noch einige Bonustracks aus den Archiven ans Tageslicht fördern können. Ein Blick auf die Website der Formation verrät zudem, dass diese Digitalreleases lediglich als „Warm Up“ gedacht sind, und wir wohl in Bälde ein neues FATE-Album in Händen halten dürfen. Die Vorfreude dürfte bei Fans zwar ohnehin gehörig sein, die Hoffnung, damit ein knackiges Gerät voller Melodien zu erhalten, ist definitiv berechtigt.

Nicht zuletzt weil Meister Steincke neben Saitenhexer Enevoldsen und Keyboarder Mikkel Henderson (EVIL MASQUERADE) zuletzt mit Drummer Sören Ryan und Rückkehrer Per Johansson ein schlagkräftiges (und höffentlich auch langlebiges) Line-Up zusammenstellen konnte.

Bis dahin kann man sich aus gegebenem Anlass aber erst einmal (oder wieder?) in die Diskografie der Formation einhören. Die Songs der neu aufgelgten drei Scheiben sind es auf jeden Fall Wert gehört zu werden. Das gilt auch die vier bislang unveröffentlichten Tracks, die auf die drei Rereleases verteilt wurden.

Ergo: Es besteht nun wahrlich kein Grund mehr, um nicht auch diese Lücke in der Sammlung endgültig zu schließen. Mehr zu FATE (hoffentlich) demnächst!
 

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