LAST IN LINE Die Produktion macht den Unterschied

„Super-Groups“ neigen bekanntermaßen nicht zwingend zur Langlebigkeit. Deshalb überrascht es immer noch, wenn eine solche eine Dekade nach den ersten Sessions immer noch existiert. Noch mehr aber, wenn eben diese, wie das bei LAST IN LINE der Fall ist, sich mit dem dritten Langeisen als Fixstern in der Szene zu etablieren versucht.

 

Das sollte dem Quartett mit „Jericho“ (ear Music / Edel) problemlos gelingen, denn die zwölf Tracks des mittlerweile dritten Studioalbums der Formation kommen mit Wucht aus den Boxen und lassen auch alle anderen Trademarks, die ein amtliches Heavy Rock-Album haben muss, nicht vermissen.

Das sieht Drum-Legende Vinny Appice logischerweise genauso:

Vor gut drei Jahren habe ich mit Andrew, eurem Sänger, unter anderem darüber philosophiert, ob Euch der Projekt-Charakter immer noch nachhängt. Darüber müssen wir nicht mehr diskutieren, oder?

Nicht mal ansatzweise! Im Gegenteil, ich bin mittlerweile der Meinung, dass es nur wenige Bands gibt, die dermaßen gut harmonieren, weil die Musiker so perfekt aufeinander eingestellt sind. Abgesehen davon, sind wir mittlerweile auch zu jenen Bands zu zählen, die über ein langfristig stabiles Line-Up verfügen. Okay, wir mussten tragischerweise Jimmy ersetzen, aber das war ein Schicksalsschlag, mit dem niemand rechnen konnte. Gut, dass wir Phil (Soussan – A.d.A.) davon überzeugen konnten, bei uns einzusteigen.

Euer drittes Album setzt zwar den zuvor eingeschlagenen Weg konsequent fort, dennoch sind dezente Veränderungen zu vernehmen. Habt ihr Andrew bewusst mehr Spielraum zugebilligt, oder hat er diesen für sich beansprucht?

Das war weder eine Intention, noch hat irgendjemand um etwas gebettelt. Das ist bei uns nicht nötig. Wir funktionieren demokratisch, wobei jeder zu Wort kommen darf, um sich zu äußern. Aber ja, Du hast recht, Andrew wirkt auf dem neuen Album stärker im Vordergrund, seine Stimme ist präsenter.

Woran liegt es?

Das ist auf die Produktion zurückzuführen. Da wir uns bislang noch nie dermaßen intensiv an den Aufnahmen beteiligt haben, sondern unserem alten Kumpel Jeff Pilson unser volles Vertrauen gegeben haben, waren sowohl „Heavy Crown“ als auch „II“ eindeutig von seiner Handschrift geprägt. Zwar haben wir uns beim zweiten Album schon deutlich mehr in den Aufnahmeprozess eingebracht, dieses Mal lief es aber dennoch ganz anders. Nicht zuletzt aus bekannten Gründen, waren wir mehr oder weniger auf uns selbst angewiesen, da es ja nicht ganz so einfach gegangen wäre, einen „Außenstehenden“ als Produzenten ins Studio zu lotsen. Daher ist der wohl größte Unterschied zwischen unseren Scheiben in der Produktion auszumachen.

Da man von Euch weiß, dass ihr liebend gerne Konzerte gebt und auf Tournee geht, müssen die letzten beiden Jahre schlimm gewesen sein, oder?

Ja! Und das nicht nur, weil ein wirklich sehr, sehr wichtiger Teil des Lebens, um nicht zu sagen des Alltags, plötzlich unmöglich gemacht wurde. Daran muss man sich als Musiker mit jahrzehntelanger Erfahrung erst einmal gewöhnen. Mindestens ebenso schlimm waren aber die finanziellen Einbußen, die wir alle hinnehmen mussten. Da sich der Musikmarkt seit den frühen 90er Jahren komplett verändert hat, und Verkaufszahlen mittlerweile weder relevant noch finanziell lukrativ sind, bleibt Bands wie uns eben nur die Bühne. Tja, und wenn die nun mal gesperrt ist..., was dann?

Genau, was dann?

Langweilig war uns zum Glück trotzdem nicht. Noch wichtiger war aber ohnehin, dass wir allesamt ohne großartige körperliche Schäden aus der Pandemie wieder herausgekommen sind. An den neuen Songs haben wir zwar ähnlich arbeiten können wie davor, allerdings musste dieses Mal wesentlich mehr online absolviert werden. Ein Glück, dass wir üblicherweise auf Tournee diverse Aufnahmegeräte dabeihaben, und so später auf Song- oder Riffideen zurückgreifen können. Das ist auch dieses Mal so gewesen, und wäre auch ohne Pandemie genauso abgelaufen.

Was es wahrscheinlich aber nicht gegeben hätte, ist die im letzten November veröffentlichte Vinyl-EP. Die Sache entstand aus purem Spaß, und da wir bemerkten, dass unsere, vorab ins Netz gestellte Version von „A Day In The Life“ gut ankam, haben wir den alten BEATLES-Evergreen zusammen mit einem ersten Track des neuen Albums sowie einigen Live-Mitschnitten auch als limitierte Vinyl-Edition veröffentlicht. Ich weiß, ich hab' vorhin erwähnt, dass Verkaufszahlen nicht mehr wirklich relevant sind, stolz macht es mich aber dennoch, Dir erzählen zu können, dass momentan gerade über die Farbe der zweiten Auflage diskutiert wird.

Anzunehmen, dass derlei Fan-Geschenke ab sofort wieder ein wenig auf sich warten lassen werden, schließlich habt ihr wohl einiges an Konzerten nachzuholen, oder?

Das schon, aber das ist nicht ganz so einfach zu organisieren. Schließlich ist Vivian momentan mit DEF LEPPARD mehr als ausgelastet. Da die Jungs zumindest noch ein gutes halbes Jahr auf Achse verbringen werden, müssen wir uns wohl in die Warteschleife begeben.

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