OMAR COLEMAN & IGOR PRADO Old New Funky And Blue

In bester 70er-Jahre Tradition

Eine Platte, die Songtitel wie “Cut You Loose” oder „I Wanna Do The Do“ in bester 70er-Jahre Tradition aufruft, hat bei mir schon mal einen großen Stein im Brett. Und wenn diese Songs dann quasi mühelos zwischen dreckigem Chicago-Blues und geschmeidigem Old School-Soul mit gediegener Funkschräglage pendeln weiß man ziemlich schnell, wohin die Reise geht.

Omar Coleman und Igor Prado sind beide keine Unbekannten in der Szene, gemeinsam entwickeln sie auf „Old New Funky And Blue“ eine Chemie, die sich nicht nach Pflichtübung, sondern nach verschwitzter Clubnacht anfühlt. Coleman, der mit seiner rauen Stimme und messerscharfen Harp schon seit Jahren durch die Bluesclubs von Chicago zieht, trifft hier auf Prado, dessen Gitarrenspiel tief im Groove verwurzelt ist und gleichzeitig diese warme, leicht soulig-funkige Note aus seiner brasilianischen Heimat mitbringt.

„Don’t Give It Away“, mit herrlich reduziertem Groove, eingängigem Refrain und einer mitreißenden, an James Brown gemahnender Vocal-Performance von Omar Coleman aktiviert nach den ersten Takten unbarmherzig die Tanzbeine und wenn Igor Prado dann noch ein Killer-Solo aus dem Sechssaiter zaubert ist pure Verzückung angesagt.

Die große Stärke von „Old New Funky And Blue“ liegt in der stilistischen Vielfalt: “Answer Your Phone” knarzt und brodelt vor sich hin, getragen von Colemans kratziger Stimme, während “I Only Have Love” mit Bläsern und Eleganz fast schon Richtung Hi-Records-Soul schielt. Und wenn mit “I Let a Good Girl Go” kurz das Tempo rausgenommen wird, zeigt sich, wie viel Gefühl in dieser Stimme steckt, ohne je ins Pathetische abzurutschen.

Insgesamt ist „Old New Funky and Blue“ ein starkes Statement für zeitgenössischen Blues. Es spricht sowohl Puristen als auch eine neue Hörerschaft an und zeigt, dass das Genre noch lange nicht ausgereizt ist.

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