SINNER Boom Bang Goodbye

Reigning Phoenix Music

Mat Sinner sagt zum Abschied lautstark Goodbye!

 

Auf Grund seiner langjährigen Krankheitsgeschichte darf es nicht verwundern, dass die süddeutsche Rock-Institution Mat Sinner in Zukunft wohl gehörig kürzer treten müssen wird. „Boom Bang Goodbye", das jüngste SINNER-Studioalbum (dem beeindruckende 19 Stück vorangegangen sind!) wird daher auch ganz bewusst vom Maestro als Schwanengesang präsentiert. Und wer seit 1982 (!) mit einem solchen Enthusiasmus und einer dermaßen unbändigen Leidenschaft den Hardrock zelebriert und gelebt hat, darf sich irgendwann einmal auch würdevoll aus der Szene zurückziehen, die er mit der nach ihm benannten Formation ebenso mitgeprägt hat, wie mit seinen diversen anderen „Spielwiesen".

Wie es der Titel bereits erahnen lässt, bekommen wir es jedoch nicht mit einem „leisen" Teil zu tun. Das hätte wohl auch niemand wirklich angenommen, doch dass Mat für das Finale von SINNER dermaßen klotzt, war allerdings auch nicht anzunehmen. Doch schon der Einstieg 'Dreams Can Come True', das von ELECTRIC MOB-Frontmann Renan Zonta gesungen wird, knallt gehörig aus den Boxen. Band- bzw. Mat-typisch mit feinen Gitarrenharmonien und pumpenden Rhythmen ausgestattet, fräst sich der Refrain ins Langzeitgedächtnis. Schade im Endeffekt, dass der Brasilianer nur einmal zum Zug kommen durfte, doch auch die anderen, von Mat eingeladenen Sänger wissen die Tracks zu veredeln. So etwa Michael Bormann, der in 'Wait' und 'Road To Remember' überaus gelungene Performances liefert, auch wenn diese beiden Songs von der Intensität her nicht mit dem Opener mithalten können. Schwer beeindruckend zeigt sich einmal mehr Ronnie Romero, der im Groover 'Leave It All Behind', dem melodischen 'All Night Long' und dem Nackenbrecher 'Hellbreaker' ans Mikro gebeten wurde. Vor allem letztgenannter Track erweist sich trotz der Tatsache, einer der heftigsten des Albums geworden zu sein, als Ohrwurm der Extraklasse.

Das trifft selbstredend auch auf die eher ruhigeren Nummern zu, etwa das von Björn Strid intonierte 'Are You Ready', oder das zunächst balladeske, in weiterer Folge aber sehr wohl flott rockende 'Born To Run', für das Mat  Erik Martensson als Sänger gewinnen konnte. Neben den Vokalisten, denen Mat offenbar die Tracks (inklusive der mitunter überaus persönlichen Texte, die den alten Haudegen obendrein als spitzenmäßigen Geschichtenerzähler entpuppen!) auf die Stimme zugeschnitten hat, wissen auch die Beiträge der anderen Musiker zu gefallen. Zwar hat sich keiner der Saitenkünstler (Alex Scholpp, Jim Müller, Mathias "Don" Dieth und Magnus Karlsson, der den Schlussakkord namens 'Power' zusammen mit Mat geschrieben hat und zudem auch als Sänger in Erscheinung tritt) in den Vordergrund gedrängt, doch das war bei SINNER trotz namhafter Bandmitglieder ohnehin niemals der Fall.

Es regierte das Kollektiv rund um den Namensgeber, und das ist auch beim finalen Werk der Fall. Uns bleibt daher nichts anderes übrig, als uns nicht nur für dieses Album, sondern generell für die Musik, die uns seit den frühen 80er begleitet hat, zu bedanken, und Mat alles nur erdenklich Gute für die Zukunft zu wünschen.

Und wenn uns der gute Mann im Pressetext zur Scheibe auch noch wissen lässt, "The last one turns off the lights", bleibt nur noch zu hoffen, dass die Lichter, die er meint, erst einmal nur für diese eine Band abgedreht werden.

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