THE FLOWER KINGS Hope

Inside Out Music

Ein weiteres Progrock-Leckerli der Schweden

 

Seit dem letzten Studioalbum »Love« sind zwar noch nicht einmal 18 Monate vergangen, dennoch hat die schwedische Prog-Rock-Institution THE FLOWER KINGS abermals ein bis ins kleinste Detail ausgeknobeltes Werk startklar machen können. Eines, dass sich nicht nur perfekt in das Oeuvre der Skandinavier einfügt, sondern obendrein auch eines, mit dem sich die Formation eigenen Aussagen nach selbst Tribut zu zollen versucht. Durchaus mit Erfolg, und natürlich auch zu Recht, denn die Herrschaften rund um Roine Stolt haben in knapp 40 Jahren Bandexistenz ihre Fanbase sukzessive erweitern können und zudem sogar so manchen Skeptiker in ihr, nicht immer auf Anhieb nachvollziehbares, Prog-Universum eingeführt. Die Klientel des Ensembles dürfte also wissen, was sie bekommt, wenn frisches Futter angeboten wird.

Dennoch sei darauf hingewiesen, dass »Hope« keineswegs als konzeptioneller Nachfolger des erwähnten 2025er Epos zu betrachten ist, denn dazu unterschieden sich die beiden Scheibletten schon von der Grundstruktur her zu stark. Den wohl allergrößten Unterschied macht allerdings die Tatsache aus, dass sich man sich im Lager von THE FLOWER KINGS dazu entschieden hat, sich mit »Hope« zwar gewissermaßen an das eigene Vermächtnis heranzuwagen, dabei die künstlerische Komponente aber keineswegs außer Acht lassen wollte. Beides ist fraglos gelungen, wie man schon nach wenigen Durchläufen feststellen kann. Dass sie sich vorwiegend an ihren frühen Werken orientiert haben, ist auch insofern nachvollziehbar, da sich auch darauf teils verspielte, teils sehr freigeistig angelegte Passagen befanden. Diese wurden einmal mehr zu ausladend wirkenden Longtracks von an die 20 Minuten (und darüber hinaus) Spielzeit verarbeitet, und sollten idealerweise über Kopfhörer genossen werden, um keine Details zu überhören.

Den Anfang macht der fast 19-minütige Einstieg "World Spinning - The Final Curtain", der eigentlich aus – Achtung, jetzt wird es ein wenig unübersichtlich - fünf Teilen besteht, die jedoch in lediglich drei Parts aufgeteilt sind. Diese werden von Roine und seinem Kollegen Lalle Larsson an den Keyboards anteilsmäßig gleichermaßen dominiert. Das ist zwar auf »Hope« immer wieder zu bemerken, gilt jedoch keineswegs generell. Das wäre wieder einmal viel zu allgemein, und auch zu einfach. Denn trotz der Tatsache, dass mit "The Gods Of Rome" ein weiterer episch angelegter Song (der es sogar auf beinahe 30 Minuten bringt) die Scheibe beendet, bekommen wir auch deutlich eingängigeres Material geboten. Schließlich wurden mit "In A World Of Fools" und "Mars & Minerva" auch zwei - zumindest was die Spielzeit betrifft - durchaus auch radiotaugliche Tracks auf der Scheibe verewigt. Während ersteres phasenweise an die Kollaborationen von Roine Stolt und Jon Anderson erinnert, hat zweiteres etwas von der lockeren Gangart diverser TRANSATLANTIC-Elaborate. Kurzum, für Abwechslung wird einmal mehr in jeder Hinsicht gesorgt.

 

Den Schlusspunkt markiert aber dennoch ein Monumentalepos. Konkret das offiziell vierteilige (aber eigentlich in sieben Parts unterteilte, die jedoch zum Teil zusammengefasst sind) "The Gods Of Rome", das es auf imposante 28 Minuten Spielzeit bringt. Die Nummer schreit nicht nur gleichsam danach, klassisch auf einer Vinyl-Seite Platz einzunehmen, sondern lässt darüber hinaus auch an "Stardust We Are" denken, einer der edelsten Prog-Rock-Perlen aus dem Fundus der Schweden, mit der anno 1997 das ebenso betitelte Album beendet wurde. Auch besagte Nummer brachte es auf über 25 Minuten und fesselte die Zuhörerschaft von Beginn an förmlich an die Boxen. Und genau das gelingt der Formation nun auch mit "The Gods Of Rome". Los geht es mit dem instrumental gehaltenen Intro "Part 1", das fließend in "Part 2" mündet, mit dem das Quintett auf gewohnt elegante Manier für einen emotionsgeladenen, aber dennoch vertrackten Vortrag sorgt. Die Fortsetzung "Part 3 & 4" steigert sich danach von verträumt hin zu jazzig-verspielt, baut dabei aber zeitgleich gehörig Spannung auf. Nicht minder facettenreich agiert die Band in "Part 5 & 6", ehe mit dem gut sieben Minuten dauernden "Part 7" die Nummer (und auch das Album) mit teils abgefahrenen, teils nicht sofort greifbaren, in Folge aber durchaus auch für Nicht-Musiker nachvollziehbaren (und dabei mitunter an YES gemahnenden) Passagen beendet wird. 

Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Schweden mit »Hope« (dem übrigens kein Konzept im eigentlichen Sinne zu Grunde liegt, das allerdings sehr wohl so angelegt ist, dass der Zuhörerschaft mit jeder einzelnen Nummer nahegebracht wird, selbst in dramatischen Zeiten wie diesen, die Hoffnung niemals aufzugeben) auch nach bald 40 Jahren im Business nicht nur musikalisch immer noch überaus relevant sind, sondern auch noch etwas mitzuteilen haben. Respekt!

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